Info Cinque Terre:
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Die Cinque Terre

Als Cinque Terre bezeichnet man einen etwa 12 Kilometer langen, malerischen Küstenstreifen der Italienischen Riviera. Von Nord nach Süd erstrecken sich die Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore mit insgesamt etwa 7000 Einwohnern (das Hinterland mitgerechnet). Die Dörfer liegen zwischen dem Punta Mesco im Norden und dem Punta di Montenero im Süden. Die Cinque Terre stehen unmittelbar in Verbindung mit dem Namen Franco Bonanini. Ihm ist zu verdanken, das die Dörfer vor Zersiedelung bewahrt blieben, und die gesamte Region im Jahre 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und seit 1999 als Nationalpark geschützt ist.

Lange Zeit war die Cinque Terre nur sehr mühevoll mit der Bahn, dem Schiff oder zu Fuß zu erreichen. Erst in den sechziger Jahren wurde eine asphaltierte Straße in diese Region gebaut, die schon bald darauf den Tourismus, Immobilienhaie und Bauspekulanten anzog. Das war die Stunde von Franco Bonanini. In rastloser Mühe hat er einen Baustopp und strengste Auflagen gegen die Zersiedelung dieses Küstenabschnittes durchgesetzt. Wer sich hier einkaufen wollte, musste sich im Gegenzug verpflichten, das erworbene Land 20 Jahre lang zu rekultivieren oder es dem Nationalpark zu überlassen. In unbeirrter Weise hat sich Bonanini für den Erhalt der Region und für einen umweltverträglichen Tourismus eingesetzt. So zeugen aktuelle Luftaufnahmen davon, dass Straßen, Wege und Dorfanlagen sich in mehr als 200 Jahren kaum verändert haben.

Heute sind die Cinque Terre ein wahres Paradies für Wanderer und Spaziergänger. Teils auf antiken Maultierpfaden führen die Wanderwege durch terrassenartig angelegte Weinberge, durch Olivenhaine und Kastanienwälder. Schon im Februar erfreut man sich über zahlreiche Blumenwiesen, oder man wandert unter leuchtend gelben Mimosen. Spektakuläre Ausblicke über steil abfallende Hänge auf das Königsblau der Riviera sind inbegriffen. Vom Blick auf die bunten, kubistisch verschachtelten Häuser kann man auch nach Stunden nicht genug bekommen. "In absichtsloser Ruhe versinkt die Sonne am Horizont. Sie berauscht nicht die Sinne. Vielmehr lässt sie einem in sich selbst blicken. Jetzt ist Zeit zu sehen."

Ganz gewiss, die Sommermonate haben es in sich, und die Zeiten als die Region noch ein Geheimtipp war sind längst Vergangenheit. Wer es voll mag, wer sehen und gesehen werden möchte, der sollte unbedingt in den Monaten zwischen Mitte März und Ende September anreisen. Gut geeignet sind auch solche Tage wie Ostern oder allgemeine Feiertage. Dann hat man das volle Touri-Programm. Es rollen unermüdlich die Züge an und spucken massenhaft Touristen aus. Feriengäste die neu anreisen, andere die von Ort zu Ort pendeln. Wer neu anreist ist gut beraten nicht zuviel Gepäck dabei zu haben. Es ist schon schwer genug einen Stehplatz für sich selbst zu ergattern. Endlich angekommen muss man oft selbst sein gesamtes Gepäck über steile Treppen und Gassen durch den Ort zur Unterkunft schleppen. Die wenigen Badeplätze sind knallvoll, Gedränge in den Gassen, die Kellner sind gestresst und, und, und! Wer aber nicht unbedingt die Hitze des Sommers braucht, wer auch an einem Regentag glücklich sein kann, der sollte sich die Wintermonate zwischen November und Mitte März aussuchen. Jetzt hat man klares Licht, welches einem die weitesten Blicke gewährt bis hin zu den verschneiten Bergen bei Genua. Je nach Tageszeit verzaubert die Sonne Landschaft und Dörfer. Bemalt sie mit einem knallig, bunten Farbenrausch oder lässt sie im milden Abendlicht erglühen.


Monterosso al Mare

Die Cinque Terre geben in sich ein geschlossenes, gemeinsames Bild, und doch hat jedes der fünf Dörfer seinen ganz eigenen Charakter. Monterosso al Mare bietet den einzigen Sandstrand der Region. Im Sommer stehen die Sonnenschirme eng aneinander gereiht. Zahlreiche Lokale laden zum verweilen ein und Läden zum bummeln. Hier findet man die meisten Hotels, schicke Villen zeugen von Reichtum und Dolce Vita, dem süßen Leben. Monterosso ist etwas anders als die anderen Dörfer. Nicht so ganz Cinque Terre, und doch hat es seine Vorzüge. Alles ist etwas größer, und wer gerne am Strand liegt ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben. Außerdem kann man von hier aus jederzeit und problemlos die anderen Dörfer mit dem Zug anfahren. Wanderungen bieten sich an auf dem sentiero azzuro nach Vernazza oder ein Aufstieg zur Wallfahrtskirche Madonna di Soviore.


Vernazza

Kein Reiseführer über die italienische Riviera kommt ohne Vernazza aus. Meist ist dieser Ort schon im Großformat auf dem Titel der jeweiligen Bücher zu sehen. Fotogener geht´s wirklich nicht. Auf einer kleinen Halbinsel drängen sich bunte Häuser, nur um den Ruinen des Castello Doria (die Ruinen einer mittelalterlichen Burg) noch mehr Ausdruck zu verleihen. Die Pfarrkirche Santa Margherita d´Antiochia liegt direkt am Hafenbecken über dem Meer. Auf der Piazza davor spielen Kinder, dösen Katzen oder sitzen die Alten in der Abendsonne. Das alles lässt sich von einem der Restaurants am Hafen beobachten, oder man sitzt einfach nur auf der Hafenmauer, den Blick aufs Meer gerichtet, im Rücken schaukeln gemütlich die kleinen Boote der einheimischen Fischer. "Von welchem Glück, von welcher Zufriedenheit kann ein Mensch erzählen, wenn er hier nicht wenigstens einmal in seinem Leben saß!"


Corniglia

Corniglia - das Dorf über dem Meer lässt sich nur über einen anstrengenden Aufstieg erreichen. Vom Bahnhof führen 365 Stufen zum 190 Meter hoch gelegenen Ort. Somit ist Corniglia das einzige Dorf, dass nicht direkt am Meer liegt. Also ein idealer Aufenthaltsort für alle die etwas mehr Ruhe suchen. Hier kommt man am ehesten in Kontakt mit den Einheimischen. Spätestens am dritten Tag kennt man die wichtigsten Gesichter. Ihre Zahl lässt sich leicht beschränken auf die Besitzer der wenigen Läden, Restaurants und die zwei Bars an der Piazza. Überhaupt ist die Piazza der schönste Platz zum Sitzen. Wer zweimal hintereinander zum Frühstücken kommt, gehört schon fast zur Gemeinde. Was in den Bars nicht vorrätig ist, wird schnell im Laden gegenüber besorgt. Ein freundliches Buonjorno, ein Schwätzchen über die Straße - das ist Lebensgefühl. Auch hier sitzen die Alten an der kleinen Piazza. Es sind immer die gleichen, immer zur gleichen Tageszeit. Durch die enge Gasse quellen in regelmäßigen Abständen Touristenpulks auf den Platz. Sie kommen in Wellen, immer dann wenn ein Zug aus Vernazza oder aus Manarola halt macht. Jetzt herrscht ein kurzes aber triebsames Leben, alle Sprachen und Nationen auf einem kleinen Platz. Italiener, Deutsche, Schweizer, Amerikaner - alle wollen das Gleiche weil es zum "Cinque Terre Erlebnis" dazu gehört. Einmal an der kleinen Piazza einen Cappuccino trinken, dann schnell weiter die Treppengasse hoch zur Aussichtsplattform. Hier hat man den schönsten Blick. Zur Linken Manarola und die abfallenden Steilhänge, zur Rechten geht der Blick nach Vernazza und Monterosso, vor einem das weite Meer. Dann schnell zurück, wieder zum Bahnhof eilen, vorher noch eine Postkarte kaufen. Jetzt kehrt in dem kleinen Dorf wieder Ruhe ein. Corniglia ist für die Meisten nur ein Durchgangsort. Doch so manch einer ist einfach sitzen geblieben, beim Cappuccino, oder hat sich vom Meerpanorama bezaubern lassen und wartet auf die nächste Welle. Ob sie nun vom Meer kommt oder aus der kleinen Gasse ist ihm völlig egal geworden.


Manarola

Manarolas Ortsbild wird von eng verschachtelten, über- und nebeneinander gesetzten Häusern bestimmt. Das Leben spielt sich hauptsächlich auf der Hauptstraße ab (natürlich autofrei). Bis 1950 floss hier ein offener Bach durch den Ort, der von elf steinernen Brücken überquert wurde. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde der Bach überdeckt. Die Brücken verschwanden nach und nach und somit eines der schönsten Ortsbilder der Cinque Terre. Der Hafen ist eher Rampe als Anlegestelle. Die Boote müssen mit einer Seilwinde den Fels hinaufgezogen werden. Immerhin wird hierbei ein Höhenunterschied von 15 Meter überwunden. In dominanter Position, am Hang des Dorfes, befindet sich die Pfarrkirche aus dem Jahr 1338 mit isoliert dastehendem Glockenturm. Dieser diente einst als Verteidungs- und Wachtturm.


Riomaggiore

Riomaggiore zeigt sich ähnlich wie Manarola als kubistische Ortslandschaft. Eng übereinander gewürfelt sind die bonbonfarbenen Häuser in den steil abfallenden Fels gebaut. Steile Treppengassen führen durch mittelalterliche Torbögen. Verwitterte Hausfassaden in allen Farbtönen und Fischer die ihre Netze flicken. Schön zu sehen ist, wie der Ort vom Namen gebenden Fluss "Rio Maior" (heute unterirdisch) zweigeteilt wird. Laut einer nicht nachgewiesenen Überlieferung soll Riomaggiore im 8. Jh. von Griechen aus Byzanz gegründet worden sein und wäre somit das älteste der Cinque Terre Dörfer. Ein tatsächlicher Nachweis für die Existenz des Ortes bezieht sich auf den Durchzug der "Fieschi" während der Herrschaft der Genueser Republik im Jahre 1276.


Via dell´Amore

Die Via dell´Amore, vielleicht der berühmteste Spazierweg ganz Italiens, verbindet die beiden Orte Manarola und Riomaggiore. 1930 in den steilen Fels gehauen, hieß er ursprünglich "Strada Nuova". Doch diese neue Straße wurde von den Jugendlichen der beiden Orte schon bald als idealer Treffpunkt verstanden. Gab es ein schöneres Plätzchen fürs heimliche Liebesgeflüster als zwischen Meer und Himmel? "Schon färbt die untergehende Sonne die Herzen der Liebenden und taucht sie ein in das Geheimnis der Liebe!" Die Poesie des Weges lockt einen wahren Ansturm von Spaziergängern und Wanderern an, die alle einmal auf dem "Weg der Liebe" wandeln wollen. Ein stilles Plätzchen wird sich hier kaum noch finden. Was bleibt ist die Spur von Romantik verbunden mit einer einzigen Sehnsucht. Die Sehnsucht, den Menschen den man liebt hier einmal geküsst zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Reise!
Ihr Jürgen Wackenhut